St. Leonhard, im Mai  2005

 

Liebe Mitglieder unserer Kirchengemeinschaft !

AUFZEICHNUNG EINER REISE NACH SYRIEN UND IN DEN LIBANON

Am 4. April fand sich eine Gruppe der Kirchengemeinschaft  am Salzburger Flughafen ein, um während einer beeindruckenden, viel zu kurzen 11-Tage-Reise unter der  Leitung von  Univ.Prof.  Dr.Franz Nikolasch und Stefan Maier, Koordinator der Caritas für den Mittleren Osten, historische Stätten und Sozialprojekte der Caritas Salzburg zu besuchen. 

Auf sämtliche Details, die es verdienen aufgezeigt zu werden, einzugehen würde den vorgegebenen Rahmen sprengen. Dieser Bericht soll die Besichtigung der Caritas-Projekte wiedergeben. 


SYRIEN 


 

Orthopädische Werkstätte von Terre des Hommes in Damaskus: 

TDHSY ist eine Partnerorganisation der Caritas. In Syrien leiden viele Kinder unter Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) und unter den Folgen von Kinderlähmung. 
Gehhilfen, Stützapparate, Prothesen werden in der Orthopädischen Werkstatt hergestellt. Schwerst Behinderten werden durch finanzielle Hilfe aus dem Ausland Operationen ermöglicht. 

 

Kinderkrippe für Flüchtlingskinder aus dem Sudan in Damaskus:

Viele Kriegsflüchtlinge aus dem Sudan leben in dieser Stadt. Um das Überleben zu sichern, müssen fast immer beide Eltern arbeiten. Die Kinder werden unbeaufsichtigt allein gelassen. Um hier Abhilfe zu schaffen, gründete der Orden der Franziskanerinnen eine Kinderkrippe. In einem speziell umgebauten alten Bus werden zur Zeit jeden Morgen 30 Kinder eingesammelt und den ganzen Tag von Schwestern und Helferinnen betreut.

 


LIBANON


 

Einweihung der Textil-Werkstätte einer Frauen-Kooperative im Schuf-Gebirge:

In den Jahren 1982 bis 1985 wurden die Christen in diesem Gebiet von den Drusen vertrieben bzw. getötet und ihre Häuser dem Erdboden gleichgemacht. 
Hier wurde gemeinsam mit der EU und der Caritas Salzburg ein großes Wiederaufbauprojekt gestartet. Heute stehen wieder intakte Einfamilienhäuser, Kinder können zur Schule gehen. Damit auch Frauen zum Unterhalt  beitragen, wurde die Textilwerkstatt gegründet. An 12 Nähmaschinen werden im Auftrag eines Kleidergeschäftes Schuluniformen und andere Bekleidung hergestellt.
 

 

Krankenhaus Bhannes der Barmherzigen Schwestern: 

Bhannes ist ein nach europäischen Maßstäben modernes Krankenhaus, das viele Angebote in sich vereinigt. Wir besuchten das Zentrum für spastisch behinderte Kinder. Die 85 dort behandelten Kinder (45 davon sind dauerhaft im Haus untergebracht) stammen fast ausschließlich aus sozial schwachen Familien, die so gut wie keine staatliche Unterstützung für ihre chronisch erkrankten Kinder erhalten. Hier springen die Barmherzigen Schwestern ein, durch die Suche nach Spender-Innen und Patenschaften, die über die Caritas Salzburg vermittelt werden. 

 

Technische Schule der Lazaristen in Bhersaf:

Die technische Schule St. Joseph bietet für 192 Buben eine erstklassige Ausbildung (Tischlerei, Elektro-Technik, Konditorei und Gastronomie).
Nach einem Schnupperjahr folgt die eigentliche,  2- jährige Ausbildung. 
Schulabsolventen sind sehr gefragt, eine gute Anstellung ist ihnen sicher. Es wird überlegt, die Ausbildung um 3 Jahre zu verlängern, um Maturaniveau zu erreichen.

Die Schüler der Konditorei und Tischlerei tragen zur Finanzierung der Schule bei. In der Konditorei wird Schuljause zubereitet, in Lieferwägen zu den Abnehmern gebracht.
Die Tischlerei fertigt Auftragsarbeiten für die Caritas an, z.B. Betten und Kindersessel die in anderen Schulen oder Waisenhäusern gebraucht werden.

Mit wenigen Ausnahmen sind die Schüler intern untergebracht, es sind viele Waisen und Buben aus sozial schwachen Familien darunter. In einem Schlafsaal nächtigen 80 Burschen. Der Text eines Plakates an der Wand prägt sich uns ein: „Ich frage dich nicht nach deinem Namen und deiner Religion, wenn du etwas machen willst.“
Das Sozialministerium trägt 30 % der Unterhaltskosten, 20 % sind durch Patenschaften gedeckt. Der Rest fällt auf den Orden.
Es gibt noch genügend zu tun – Räume, die eine dringende Reparatur benötigen, Bildungsmaterial, das beschafft werden müsste. Erst seit kurzem gibt es Computer in der Schule

 

Waisenhaus der Barmherzigen Schwestern in Baskinta:

Über enge Kurven fahren wir mit dem Bus hinauf in das Libanon-Gebirge.
1300 Meter hoch in den Bergen erreichen wir unser Ziel, vor 100 Jahren in einer Zeit großer Hungersnot als Sozialstation von den Barmherzigen Schwestern erbaut.
Zur einen Hälfte ist St. Vincent eine Schule, die täglich von 600 SchülerInnen besucht wird, zur anderen Hälfte ein Internat für 85 Mädchen aus sozial schwachen Familien.
Der Fortbestand ist bedroht, die vor kurzem eingetroffenen staatlichen Fördergelder kamen 3 Jahre verspätet, was bedeutet, dass für die letzten beiden Jahre die öffentlichen Gelder noch nicht eingetroffen sind. Das Bankkonto der Ordensschwestern ist praktisch leer.
Die Caritas Salzburg unterstützt diese Einrichtung seit 1999 durch die Finanzierung notwendiger Sanierungsmaßnahmen sowie im Rahmen einer Patenschaftsaktion.
In Baskinta fehlt noch so viel. Die Fenster müssten ausgetauscht werden, durch die Ritzen pfeift teilweise der Wind. Vorhänge und Lampenschirme wären ein Wunschtraum für die Schlafzimmer.
Die Mädchen haben ein inniges Verhältnis zu den Schwestern aufgebaut und erhalten viel Liebe und Verständnis zurück. Bei den schlimmen Schicksalen ist ihnen ein starker Halt nur zu wünschen!
 

 

INSAN-Schulprojekt für Flüchtlingskinder in Beirut:

Ein abgenütztes Haus, die Türen blau gestrichen, damit dieser Teil der Schule nicht ganz so trist ausschaut wie der Rest des Schulgebäudes.
Eine richtige Schule mit richtigen Noten. Für MigrantInnenkinder die erste in ganz Libanon. Aus verschiedensten Nationen werden zur Zeit 19 Kinder von engagierten Lehrern in 3 Klassen unterrichtet. Eine Erweiterung ist dringend notwendig.

„Die beste Methode, dem Terrorismus entgegen zu wirken, ist, den Kindern Bildung und Wissen zu vermitteln“

Im Palästinenser-Flüchtlingslager Burj El Barajneh in Beirut:

Eigentlich ein Slum mit engen Gassen und so gut wie keinen Zukunftsperspektiven für seine BewohnerInnen. Auf engstem Raum leben hier 20.000 Menschen, isoliert von den übrigen Stadtteilen Beiruts. Für palästinensische Flüchtlinge existiert eine Liste mit 72 Berufen, die sie im Libanon nicht ausüben dürfen.
Besonders schlimm trifft es die alten Menschen. In Zusammenarbeit mit der Caritas Libanon, der palästinensischen Hilfsorganisation WHO und der Abteilung für humanitäre Hilfe der EU unterstützt die Caritas Salzburg seit 2004 das Gesundheits- und Sozialprojekt für ältere Palästinenser.

Waisenhaus St. Joseph für Buben:

Während unseres Libanon-Aufenthaltes haben wir in den freundlichen Gästezimmern der Barmherzigen Schwestern, ausgebaut mit der Hilfe eines österreichischen Sponsors, genächtigt.
Am Dienstag, dem 12. April, ist der letzte Tag unserer erlebnisreichen Reise angebrochen. Wir stehen noch einmal im Schulhof des Waisenhauses in Ajeltoun.
Klassenweise stehen 150 interne Buben im Alter zwischen 5 und 13 Jahren mit ebenso vielen externen Kameraden, gekleidet in Schuluniformen. Blaue Hose, weißes Hemd. 15 Minuten vor 8 Uhr schrillt die Glocke, über den Lautsprecher ertönt die Hymne, ein Gebet wird gesprochen. In 2er-Reihen gehen die Kinder, voran ihre Lehrer, in die Klassen.
Das Haus wurde im Bürgerkrieg durch 200 Granattreffer schwer beschädigt, da es in der unmittelbaren Schusslinie lag. Dank großherziger Spender und  Patenschaften konnte die Caritas beim Wiederaufbau helfen.
Doch auch hier gibt es noch viel zu tun, es werden Sponsoren und Paten für verschiedenste Projekte gesucht.


Mittwoch, 13. April

03.10 Uhr Abflug Beirut, 06.15 Uhr Ankunft in Frankfurt, 09.25 Uhr Landung am Salzburger Flughafen

 

Tief beeindruckt kehren wir in die Heimat zurück!  


Näheres über die Sozialprojekte der Caritas Salzburg im Nahen Osten finden Sie unter:
http://www.caritas-salzburg.at
Spendenkonto  Nr. 00041533   Caritasverband der Erzdiözese Salzburg    "Naher Osten"
bei Raiffeisenverband Salzburg, A-5020 Salzburg   -   BLZ 35000  
für Spenden aus dem Ausland:  IBAN:    AT1135 000 000 000 41533    -   BIC :   RVS AA T 2 S 

Internetadresse der Wallfahrtskirche St. Leonhard:
http://www.kirche-sanktleonhard.at/