Hl. Leonhard

Titelkopf

St. Leonhard, den 21. Juni 2015

PRIESTER FÜR MORGEN


Im letzten Mitteilungsblatt habe ich darauf hingewiesen, dass viele, vom Konzil vor 50 Jahren angestoßene Reformen bis heute nicht verwirklicht bzw. massiv unterdrückt wurden und an den gegenwärtigen Papst die Erwartungen geknüpft werden, dass er sie aufgreife und verwirkliche. Zu diesen anstehenden Reformen zählt auch ein am Neuen Testament orientiertes Verständnis des priesterlichen Dienstamtes in der Kirche. Vor einigen Monaten war der bekannte, aus Vorarlberg stammende Bischof Kräutler bei Papst Franziskus und berichtete ihm von der Situation in seiner im Amazonasgebiet gelegenen Diözese Xingu. Sie ist rund viermal so groß wie Österreich, hat mehr als 800 Pfarren, in denen wieder jeweils zehn und mehr Basisgemeinden bestehen. Insgesamt wirken rund 30 Priester mit Bischof Kräutler in dieser Diözese. Man kann sich ausrechnen, wie oft im Jahr eine Pfarre einen Priester zu sehen bekommt; die Gemeinden müssen praktisch auf eigenen Füssen stehen, ein Katechist oder eine Katechistin sind gemeinsam mit engagierten Gemeindemitgliedern für das religiöse Leben verantwortlich. Diese extreme Situation, die in weiten Gebieten Lateinamerikas ähnlich ist, zwingt dazu, nicht nur Mittel und Wege zu suchen, um zusätzliche Priester zu gewinnen, sondern überhaupt die Rolle des Priesters zu hinterfragen. Ansätze dazu gab es bereits am Konzil vor 50 Jahren, wenn im Dokument über die Kirche in den beiden ersten Kapiteln vom gemeinsamen Priestertum aller Getauften gesprochen wurde und ausdrücklich betont wurde, dass alle gleiche Rechte und gleiche Würde besitzen, sich nur in bezug auf Dienste und Aufgaben unterscheiden. Im weiteren Verlauf dieses Dokumentes wird aber wieder die „Zwei Klassen-Gesellschaft“ vertreten, nämlich die Unterscheidung von „Klerus“ und „Laien“, wobei erstere das Sagen und die Laien zu gehorchen haben. Diese Sicht wurde von den nachfolgenden Päpsten und der Kurie in verschiedensten Dokumenten und Aussagen eindringlich betont und im Kirchenrecht festgeschrieben. Ein hoher Prozentsatz der heutigen Priester sind von dieser Einstellung und diesem Geist geprägt.

Schaut man aber auf das Neue Testament, so ist weit und breit nichts von einem „Klerus“ und einer besonderen „Würde“ auserwählter Priester die Rede, sondern „Priester“ im Sinne eines Mittlers zu Gott ist einzig und allein Jesus Christus und an diesem Priestertum haben alle Anteil, die durch die Taufe in seine Gemeinschaft aufgenommen wurden. Innerhalb dieser „priesterlichen“ Gemeinde gibt es verschieden Aufgaben und Dienste, alle Gemeindemitglieder besitzen jedoch die gleichen Rechte und die gleiche Würde, sie sind Glieder am Leibe Christi und einer allein ist das Haupt, Christus Jesus. Es gibt auch keinen Dienst und keine Aufgabe, die nur bestimmten Gliedern zugänglich wären, ob männlich oder weiblich, ob verheiratet oder unverheiratet, allen steht der Weg zum Dienst der Leitung oder der Verkündigung offen. Im Auftrag von Papst Paul VI. hat eine Kommission von Bibelwissenschaftlern Anfang der 70iger Jahre sich mit diesem Thema befasst und kam zum Schluss, dass das Neue Testament keinen Grund für einen Ausschluss von Frauen vom priesterlichen Dienstamt gibt. Das hinderte Paul VI. nicht daran, die Zulassung ausdrücklich zu verbieten und Johannes Paul II. hat selbstherrlich den Ausschluss der Frauen geradezu als Glaubenslehre verkündet. Er setzte sich einfach über das Neue Testament hinweg, die einzige Grundlage unseres Glaubens. Hoffentlich gelingt es dem gegenwärtigen Papst die Kirche auf den Weg der Rückbesinnung auf die Hl. Schrift zu führen, eine Re-form, d.h. eine Rückkehr zum Ursprung und dadurch eine Erneuerung zu bewirken.


SAMMLUNGS-ERGEBNISSE

Wie in den vergangenen Jahren wurden auch dieses Jahr an Stelle der im Frühjahr vorgesehenen Caritas-Haussammlung den Mitteilungsblättern Erlagscheine beigelegt, mit der Bitte um eine Spende zugunsten der Caritas. Zusätzlich wurde die Kirchensammlung vom Palmsonntag ebenfalls zugunsten der Caritas durchgeführt. Insgesamt konnte an die Caritas-Salzburg ein Betrag von € 1.490.- überwiesen werden. Herr Lechner hat auch dieses Jahr Palmbuschen und Palmscharten hergestellt, die im Vorraum der Kirche angeboten wurden und für die Spenden in der Höhe von € 400.- erzielt werden konnten, die an den Verein „Ärzte ohne Grenzen“ überwiesen wurden. Die Kirchensammlung vom Gründonnerstag erbrachte einen Betrag von € 231,40, der an den Verein „Licht für die Welt“ ging, der vor allem in Afrika Projekte durchführt um Menschen, die an bestimmten Krankheiten erblindet sind, durch eine Operation das Augenlicht wiederzugeben. Schließlich konnte für die Erdbebenopfer von Nepal durch die Kirchensammlung vom 10. Mai ein Betrag von € 585.- über die Caritas zur Verfügung gestellt werden.
Diese Sammlungsergebnisse zeigen, dass die Kirchengemeinschaft nicht nur für die eigenen Belange zu spenden bereit ist, sondern auch für von Katastrophen und Krankheiten heimgesuchte Menschen in aller Welt Hilfe zu leisten. Allen, die bei diesen Sammlungen einen Beitrag geleistet haben, sei dafür herzlich gedankt. Christsein bedeutet, offen zu sein für die Sorgen und Nöte der Mitmenschen und bereit zu sein, ihnen zu helfen. Sicher sind diese Spenden nur ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein, aber jeder Tropfen bedeutet eine Hilfe und je mehr Menschen einen Beitrag leisten, umso mehr Menschen kann auch geholfen werden.

MAIANDACHTEN

Auch dieses Jahr hatten wir mit den vorgesehenen Maiandachten nicht viel Glück. Die beiden bei der Hubertuskapelle vorgesehenen Termine wie auch die Andacht beim Wegkreuz am Mitterweg sind buchstäblich ins Wasser gefallen. Einzig die Andacht bei der Barbarakapelle am Gutratsberg konnte gehalten werden. Unter den Teilnehmern waren auch etliche, die in ihrer Kindheit am Gutratsberg gewohnt hatten und sich daran erinnerten, wie es einmal war. Einzig die Kapelle ist übrig geblieben, von den Häusern und Stallgebäuden ist nichts mehr zu sehen, einige verwilderte Obstbäume sind noch geblieben.
Ein Höhepunkt war das traditionelle Mariensingen des Volksliedchores Grödig in unserer Wallfahrtskirche am 9. Mai. Die Spenden gingen auch dieses Jahr an die Familie mit dem schwerstbehinderten Kind in Berndorf.

KIRCHWEIHFEST

Alljährlich am ersten Sonntag im September findet das Kirchweihfest unserer Wallfahrtskirche statt. Es erinnert an jene Feier irgendwann einmal im Mittelalter, als zu diesem Zeitpunkt nach der Errichtung der Kirche in ihr der erste Gottesdienst stattfand. Dieses Jahr ist es der 6. September. Um 8.30 Uhr feiern wir den Gemeindegottesdienst und um 10.00 Uhr den Festgottesdienst, der durch den Volksliedchor Grödig musikalisch gestaltet wird. Neben den St. Leonharder Trachtenfrauen nehmen Abordnungen anderer Trachtengruppen teil. Zum Abschluss erfolgt die Segnung der Kräuterbüscherln, die dann von den Trachtenfrauen an alle Teilnehmer überreicht werden.

WALLFAHRT DER KIRCHENGEMEINSCHAFT

Ursprünglich war dieses Jahr als Ziel die Wallfahrtskirche Sveta Gora bei Görz vorgesehen und zwar in Erinnerung an den Kriegseintritt Italiens im Jahre 1915, also vor genau 100 Jahren. In dieser Gegend, am Isonzo fanden die blutigsten und verlustreichsten Kämpfe statt. Wallfahrtskirche und Franziskanerkloster wurden in diesen Kämpfen total zerstört und nach dem Krieg wiederaufgebaut. Leider konnte dieses Zeil nicht verwirklicht werden, da am gleichen Tag eine große Diözesanwallfahrt stattfindet. So ist das diesjährige Ziel die Wallfahrtskirche Maria Elend im Rosental, nicht weit von Villach entfernt. Wie immer findet die Wallfahrt am Samstag nach dem Kirchweihfest, dieses Jahr also am 12. September statt. Abfahrt am Kirchplatz um 7.30 Uhr. Die Fahrtkosten betragen € 20.- Anmeldungen bei Frau Wall Tel. 06246/72405.

ERNTEDANKFEST

Das Erntedankfest findet in St. Leonhard am Sonntag, 20. September statt. Um 8.15 Uhr Segnung der Erntekrone am Kirchplatz, dann die Prozession und der Gemeindegottesdienst, der vom Volksliedchor Grödig musikalisch gestaltet wird. Um 10.00 Uhr findet dann der Kindergottesdienst zum Erntedank statt.


Ihr
Dr. Franz Nikolasch