Hl. Leonhard

Titelkopf

St. Leonhard, den 20. Juni 2012


„MESSFEIER OHNE PRIESTER?"


Nach dem landläufigen Verständnis kann man es sich eigentlich nicht vorstellen, dass es eine Messfeier, also nicht nur Wortgottesdienst, sondern auch eucharistische Mahlfeier ohne einen “geweihten“ Priester geben kann. Er ist es ja, der aufgrund seiner „Weihe“ die Vollmacht hat, Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi zu „verwandeln“, dadurch dass er die „Wandlungsworte“ spricht. In dieser Vorstellung, die auch von der Amtskirche vertreten wird, erhält der Priester eine besondere Stellung innerhalb der Gemeinde, die sich zur Feier der Messe versammelt, er spielt eine unersetzbare Rolle, ohne ihn geht nichts. Ist kein Priester da, dann kann man höchstens einen Wortgottesdienst mit Kommunionfeier halten, bei der das in einer vorausgegangenen Messe in den Leib des Herrn verwandelte Brot ausgeteilt wird. Angesichts des immer größer werdenden, von der Amtskirche selbst verschuldeten Priestermangels stellt sich die Frage, ob dieses landläufige Verständnis wirklich das einzig richtige Verständnis ist.

Die vor rund 50 Jahren durch das Konzil ausgelöste Reform unseres Gottesdienstes hat uns wieder bewusst gemacht, dass die gesamte versammelte Gemeinde den Gottesdienst feiert und nicht allein der Priester, wo dann die Gemeinde, wie es hieß „in Andacht beiwohnte“. Nach unserem heutigen, das aber das ursprüngliche Verständnis ist, hat jeder Teilnehmer eine aktive Rolle, der Priester hat die des Vorstehers, der die Feier leitet. Daher sind seit alters her auch alle Gebete, die der Priester spricht, in der Wir-Form gehalten, weil er sie im Namen der Gemeinde spricht. Von dieser versammelten Gemeinde gilt das Wort des Herrn: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!“ Ist aus irgendwelchen Gründen kein Priester da, der die Gemeindefeier leitet, dann ist trotzdem der Herr in ihrer Mitte, aufgrund seiner Zusage. Versammelt sich eine solche Gemeinde, um das Gedächtnis des Herrn in der Feier des Mahles zu begehen, dann darf sie die Gewissheit haben, dass der Herr auch in den Zeichen des Mahles, in Brot und Wein in ihrer Mitte gegenwärtig ist, wie es in den Einsetzungsworten vom Abendmahl des Herrn ausgesagt wird.

Weiters ist festzuhalten, dass entgegen dem landläufigen Verständnis, das auch von der Amtskirche vertreten wird, nicht der Priester die „Konsekrationsgewalt“, d. h. die Vollmacht hat, Brot und Wein in den Leib und das Blut des Herrn zu „verwandeln“, sondern dass Gott selbst dieses geheimnisvolle Geschehen bewirkt, indem er seinen Geist auf die Gaben herabsendet. Deshalb heißt es auch im Eucharistischen Hochgebet als Gebet der Gemeinde: „Vater, wir bitten dich, sende deinen Heiligen Geist auf diese Gaben von Brot und Wein herab, damit sie uns zum Leib und Blut Jesu Christi werden“. Nicht ein Mensch, der Priester, verfügt über dieses Geschehen, sondern Gott selbst ist es, der die Heiligung der Gaben durch seinen Geist bewirkt.

Das alles mag sehr fremd klingen, aber die Texte der Messfeier sprechen eine klare Sprache: alle Amtsgebete des Priesters sind Gebet der Gemeinde, in ihrem Namen spricht sie der Priester als ihr Vorsteher und als Leiter der Feier und auch die Bitte an Gott um die Heiligung der Gaben durch seinen Heiligen Geist, ist eine Bitte der gesamten Gemeinde. Mag der Priestermangel noch größer werden, und das werden die kommenden Jahre bringen, so ist dies kein Grund, dass die Gemeinde auf die sonntägliche Eucharistiefeier, die ihr vom Herrn aufgetragen ist, verzichten muss. Der Priester als Vorsteher ist wichtig, aber nicht unabdingbar notwendig. Die Gemeinde kann sich in Notsituationen auch ohne ihn versammeln und im Gedächtnis des Abendmahls die Gegenwart des Herrn auch in den Zeichen von Brot und Wein erfahren. Darauf verweist auch ein Text des Konzils, der von der Annahme ausgeht, dass bei den Kirchen der Reformation die Amtsträger nicht gültig geweihte Priester sind. Aus diesem Grund haben sie auch nicht die „ursprüngliche und vollkommene Wirklichkeit der Eucharistie“. Indirekt wird durch diese Präzisierung gesagt, dass sie doch die Wirklichkeit der Eucharistie besitzen, wenn auch nicht im „ursprünglichen und vollständigen“ Sinne. Das Konzil anerkennt mit diesen Worten, dass die evangelische Abendmahlsfeier eine im katholischen Sinne gültige Eucharistiefeier ist, auch wenn kein im katholischen Sinn gültig geweihter Priester diese leitet. Was von der evangelischen Abendmahlsfeier gilt, muss auch von einer katholischen Eucharistiefeier ohne gültig geweihten Priester gelten.

Meine Überlegungen mögen sehr abstrakt und spitzfindig klingen, sind aber für das Leben und Überleben unserer Gemeinden wichtig, denn die Eucharistiefeier als Gedächtnismahl des Herrn ist die wesentlichste Feier der christlichen Gemeinde. Sie ist nicht der Willkür der Amtskirche ausgeliefert, sondern Grundrecht der mündigen Glieder einer christlichen Gemeinde.

Ich wünsche Ihnen allen einen erholsamen Sommer!
Ihr
Dr. Franz Nikolasch


KIRCHWEIHFEST

Das Kirchweihfest unserer Wallfahrtskirche findet alljährlich am 1. Sonntag im September statt, dieses Jahr also am 2. September. Um 8.30 Uhr feiern wir den Gemeindegottesdienst und um 10.00 Uhr den Festgottesdienst, der musikalisch vom Volksliedchor Grödig mitgestaltet wird. Die St. Leonharder Trachtenfrauen werden nach der Segnung der Kräuter und Blumen allen Mitfeiernden ein Büscherl zur Erinnerung überreichen. Am Montag, 3. September findet als Ausklang des Kirchweihfestes um 10.00 Uhr der Gemeindegottesdienst statt.


WALLFAHRT DER KIRCHENGEMEINSCHAFT

Am Samstag, 8. September, dem Fest Mariä Geburt, findet wieder die traditionelle Wallfahrt der Kirchengemeinschaft statt. Das Ziel ist diesmal die Wallfahrtskirche Frauenstein bei Molln in Oberösterreich. Das Gnadenbild ist eine spätgotische Schutzmantelmadonna, die vermutlich von Kaiser Maximilian I. als Dank für die Errettung aus Seenot gestiftet wurde. Geschaffen wurde diese Plastik von einem bedeutenden Bildhauer aus Augsburg, Meister Gregor Erhart. Auf der Rückfahrt besuchen wir noch das Benediktinerstift Kremsmünster, das auch eine bedeutende Kunstsammlung aufweist sowie den astronomischen Turm, eine der ältesten Sternwarten Europas. Abfahrt vom Kirchplatz in St. Leonhard um 7.00 Uhr früh. Die Fahrtkosten werden vermutlich € 20.- betragen. Anmeldungen und weitere Informationen bei Frau Wall Tel. 06246/72405.


ERNTEDANKFEST

Das Erntedankfest feiern wir in St. Leonhard am Sonntag, 23. September. Um 8.15 Uhr erfolgt die Segnung der Erntekrone am Kirchplatz, dann die Prozession und der Gemeindegottesdienst, der vom Volksliedchor Grödig musikalisch gestaltet wird. Um 10.00 Uhr ist dann der Kindergottesdienst zum Erntedank.