Hl. Leonhard

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St. Leonhard, den 30. Juni 2011


DIE KIRCHE – EINE ZWEI-KLASSEN-GESELLSCHAFT?


In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es einen Papst namens Gregor XVI. (1831 – 1846), der sicher zu den konservativsten und reaktionärsten Päpsten der neueren Kirchengeschichte zu zählen ist. In einem seiner Rundschreiben kommt er auf die Kirche und ihre Strukturen zu sprechen und macht dazu folgende Aussage: „Es kann niemandem verborgen sein, dass die Kirche eine ungleiche Gesellschaft ist, in der die einen zum Herrschen, die anderen zum Gehorchen bestimmt sind; letzteres sind die Laien, ersteres der Klerus.“ Genau dieselbe Aussage war auch Inhalt eines für das 1. Vatikanische Konzil (1869/70) vorbereiteten Textes, der aber wegen des Konzilsabbruchs infolge der Eroberung Roms durch die Freischärler Garibaldis und des damit verbundenen Endes des Kirchenstaates nicht mehr zur Abstimmung kam. Die dahinter stehende Haltung blieb aber bis zum 2. Vatikanischen Konzil (1962/65) allgemeine Ansicht der Amtskirche. So lautete eine Definition der Kirche: „Die Kirche ist eine vollkommene hierarchisch gegliederte Gesellschaft, die von Christus eingesetzt wurde.“ In Zeiten, in denen die Herrscher „von Gottes Gnaden“ absolutistisch und autoritär regierten, war es klar, dass auch die Kirche nach dem feudalen und aristokratischen System gegliedert sein musste –als Bischöfe kamen nur Adelige in Frage- und dass die Gläubigen als „Untertanen“ keine Rechte besaßen. Mit der französischen Revolution begann diese System zu wanken und heute sind alle entwickelten Gesellschaften Demokratien, in denen alle Menschen gleiche Rechte und gleiche Würde besitzen. Dem hat auch das Kirchenverständnis des 2. Vatikanischen Konzils Rechnung getragen, wenn es von der Kirche als dem wandernden Volk Gottes, besonders aber als dem „Leib Jesu Christi“ sprach und damit ein vom Apostel Paulus verwendetes Bild aufgriff, der wiederholt betonte, dass Christus allein das Haupt ist, alle Getauften aber Glieder an diesem Leibe sind. Wie beim menschlichen Leib alle Glieder verschiedene Aufgaben haben, so haben auch alle Glieder der Kirche unterschiedliche Aufgaben und Dienste zu erfüllen, sie bleiben aber immer Glieder unter dem eine Haupte Jesus Christus. Jede Aufgabe und Verantwortung ist Dienst an und in der Kirche, aber nie Herrschaft über die Kirche: „Einer allein ist der Herr, und das ist Jesus Christus!“ heißt es ausdrücklich dazu in einem der Briefe des Apostels Paulus. Das Konzil hat auch deutlich betont, dass alle Glieder der Kirche gleiche Rechte und gleiche Würde besitzen und sich nur in ihren Diensten unterscheiden. Daraus folgt, dass alle Glieder auch das Recht auf Mitverantwortung tragen und es keine Über- und Unterordnung im Sinne einer Zwei-Klassen-Gesellschaft geben darf. In diesem Sinne wird auch die erneuerte Feier der Messe als Feier der gesamten Gemeinde verstanden, bei der dem Priester zwar die Leitung zukommt, alle Mitfeiernden aber in unterschiedlicher Weise mitwirken. Es war verständlich, dass gerade in den gehobenen Kreisen der Amtskirche wie auch den Kreisen der Aristokratie und des Adels dieses Kirchenverständnis auf heftige Ablehnung stieß.

Das Konzil ging vorbei und damit auch der Traum von einer „klassenlosen Kirche“ entsprechend dem Verständnis des Konzils und des Apostels Paulus. An deren Stelle ist wieder ein Kirchenverständnis getreten, das dem der reaktionären Päpste des 19. Jahrhunderts und generell der Zeit vor dem Konzil entspricht. Die sogenannten „Laien“ haben zu gehorchen, Macht und Herrschaft des Klerus sind straff organisiert, der Papst und die römische Kirche behaupten einen absolutistischen Machtanspruch, die Bischöfe sind gegenüber Rom zum absoluten Gehorsam verpflichtet, sollten sie dagegen auch nur verbal aufbegehren, so werden sie einfach abgesetzt, wie dies vor kurzem einem Bischof in Australien widerfahren ist, der allerdings nur der letzte in einer Reihe von vielen ähnlichen Fällen ist. Allerdings enden die Durchgriffsmöglichkeiten Roms bestenfalls bei den Pfarrern, die Gemeinden lassen sich heute nicht mehr gängeln wie vor hundert Jahren; sie sind mündig geworden und nicht mehr bereit, zu römischen Anordnungen Ja und Amen zu sagen und das ist gut so. Viele sehen in der Mitgliedschaft bei dieser Kirche keinen Sinn mehr und treten unter Protest aus ihr aus. Ich habe Verständnis für eine solche Entscheidung, aber ich möchte dem nicht das Wort reden, sondern eher dazu auffordern, selbstbewußt und eigenverantwortlich als mündige Glieder einer Kirche zu leben, die nach dem Willen des Herrn eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern sein soll, in der nur einer der Herr und das Haupt ist, nämlich Jesus Christus. Ich wünsche mir, dass Sie sich in diesem Sinne entscheiden. Mögen Sie einen erholsamen Sommer verbringen!

Ihr
Dr. Franz Nikolasch


KIRCHWEIHFEST

Das Kirchweihfest unserer Wallfahrtskirche findet jedes Jahr am ersten Sonntag im September statt, diesmal ist es der 4. September. Um 8.30 Uhr feiern wir den Gemeindegottesdienst und um 10.00 Uhr den Festgottesdienst, der musikalische vom Volksliedchor Grödig mitgestaltet wird. Die St. Leonharder Trachtenfrauen werden nach der Segnung der Kräuter und Blumen allen Mitfeiernden ein Büscherl zur Erinnerung überreichen. Am Montag findet um 10.00 Uhr als Ausklang des Kirchweihfestes ein Gemeindegottesdienst statt.


WALLFAHRT DER KIRCHENGEMEINSCHAFT am Samstag, 10. Sept. 2011

Die diesjährige Wallfahrt führt uns nach Maria Taferl an der Donau, kurz vor dem Anfang der Wachau. Eine der ersten Wallfahrten führte uns in den 70er Jahren schon dorthin. Abfahrt ist vom Kirchplatz in St. Leonhard um 6.30 Uhr; die Messe feiern wir um 10.00 Uhr in der Krypta der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl. Anschließend fahren wir zum Schloß Artstetten, das dem österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand gehörte und heute noch im Besitz seiner Familie (Hohenberg) steht. In der Schlosskapelle ist er gemeinsam mit seiner Gattin Sophie nach der Ermordung in Sarajevo beigesetzt worden. Diese Mordtat bildete den unmittelbaren Anlaß zum 1. Weltkrieg mit den vielen Millionen an Opfern und dem Untergang der Monarchien in Österreich, Deutschland und Russland. Auf der Heimfahrt machen wir noch einen Abstecher zum Stift St. Florian, wo wir nicht nur das Grab des großen Komponisten Anton Bruckner besuchen, sondern auch im Gaststüberl einkehren werden. Die Fahrtkosten betragen € 20.-
Anmeldungen wie immer bei Frau Wall Tel. 06246/ 724-05.


ERNTEDANK

Das Erntedankfest feiern wir in St. Leonhard am Sonntag, 25. September. Um 8.15 Uhr erfolgt die Segnung der Erntekrone am Kirchplatz, dann die Prozession und der Gemeindegottesdienst, der musikalisch vom Volksliedchor Grödig gestaltet wird. Um 10.00 Uhr ist dann der Kindergottesdienst zum Erntedank.