Hl. Leonhard

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St. Leonhard, den 26. Februar 2011


SELIGER KAROL WOJTYLA ?


In knapp zwei Monaten ist es soweit: Am 1. Mai wird der verstorbene Papst Johannes Paul II. durch seinen Nachfolger als Vorstufe zur Heiligsprechung seliggesprochen. Ein kirchlicher „Mega-Event", der wohl mehr als eine Million Fans vor allem aus Polen nach Rom locken wird. Genau genommen hat eine Selig- oder Heiligsprechung keine besondere Bedeutung, denn sie bestätigt nur kirchenamtlich, was wir von unseren Verstorbenen gläubig erhoffen, nämlich dass sie in die Gemeinschaft Gottes aufgenommen wurden und weil sie bei dem sind, der der Heilige ist, sind auch sie heilig. Selig- oder Heiligsprechungen haben aber eine Signalwirkung, da sie die betreffende Person als nachahmenswertes Vorbild hinstellen. Handelt es sich um einen Papst, dann kommt noch eine besondere kirchenpolitische Bedeutung dazu. Das galt von der Heiligsprechung des Papstes Pius X., der am Anfang des 20. Jhts. die kirchliche Reformbewegung des sogenannten „Modernismus" verurteilte und gegen deren Vertreter eine Hetzkampagne veranstaltete und viele von ihnen aus der Kirche ausschloss. Erst Johannes XXIII. beendete mit dem Konzil diese konservativ-reaktionäre Erstarrung des kirchlichen Lebens. Gleiches galt von der Seligsprechung des Papstes Pius IX. der nach 1850 im Kampf gegen den „Liberalismus" jede Öffnung der Kirche für die Probleme und Aufgaben der damaligen Zeit verhinderte und im 1. Vatikanischen Konzil von 1870 den universalen Lehr- und Jurisdiktionsprimat des Papstes als Glaubenslehre durchdrückte, von einer freien Entscheidung bei dieser Kirchenversammlung kann man nach den gegenwärtigen Kenntnisse der Vorgänge rund um dieses Ereignis wohl nicht sprechen. Diese Erklärung bot der römischen Kurie und den Päpsten in der Folgezeit die Möglichkeit die Kirche autoritär und zentralistisch zu regieren und die geringsten Ansätze zu einer Erneuerung und Reform im Keime zu unterdrücken. Durch die Seligsprechung dieses Papstes sollte gewissermaßen die unvermeidliche Seligsprechung des Konzilspapstes Johannes XXIII. gewissermaßen „neutralisiert" werden.

Bei allen Verdiensten, die der verstorbene Papst bei der Überwindung der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa, vor allem in Polen sich erworben hat, soll man aber nicht vergessen, welche verheerende Rolle für die Kirche und die vom Konzil geforderte Erneuerung er gespielt hat. Er hat nicht nur „Pastoralreisen" bis in die letzten Winkel der Erde unternommen, er hat nicht nur mehr Selig- und Heiligsprechungen vorgenommen als alle seine Vorgänger zusammen, er hat vor allem den Aufbruch der Kirche und ihre Erneuerung durch die Verwirklichung des Konzils gestoppt und jede Reform in der Kirche abgeschmettert und diese wieder in die Zeit vor dem Konzil zurückgeworfen. Gleich nach seiner Wahl hat er die Befreiungstheologie in Lateinamerika bekämpft und deren Vertreter, die als wesentliche Aufgabe der Kirche die Überwindung der sozialen Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen bezeichnet hatten, als Anhänger des Marxismus verurteilt. Kurze Zeit später hat er dann die theologische Wissenschaft an die römische Kandare genommen, indem er bestimmte, dass jede Bestellung eines Professors an Theologischen Fakultäten und kirchlichen Lehranstalten der vorausgehenden Überprüfung und Genehmigung durch Rom bedarf, was nie zuvor der Fall war. Im Jahre 1983 wurde ein neues kirchliches Gesetzbuch veröffentlicht, das durch und durch von vorkonziliaren Bestimmungen (Kirchenverständnis, hierarchisches Priesterbild) geprägt ist. Den Abschluss bildete dann 1992 ein neuer Katechismus, mit dem sich Rom lehrmäßig endgültig vom Konzilsgeist verabschiedete. Wie wenig diesem Papst das Konzil bedeutete, zeigte sich in der Heimholung der reaktionären Petrus-Bruderschaft, die jegliche Anerkennung der Konzilsbestimmungen verweigerte und vom Papst nur angehalten wurde, die Dokumente des Konzils zu „studieren", ohne sie jedoch akzeptieren zu müssen, wobei man wissen muss, dass unter allen kirchlichen Bestimmungen die von Konzilien die höchste Verbindlichkeit besitzen. Darüber hat sich dieser Papst einfach hinweggesetzt, auch indem er dieser Gemeinschaft die Verwendung der vorkonziliaren Gottesdienstfeier erlaubte. Er ist auch der Papst, der einen autoritären absolutistischen Zentralismus in der Kirche praktizierte, wie es ihn nie zuvor gegeben hatte. Die Kollegialität der Bischöfe, d.h. ihre Mitverantwortung für die Kirche, erblickte er darin, dass die Bischöfe mit ihm einer Meinung zu sein haben. Abtreibung und Empfängnisverhütung warf er in einen Topf, Priester, die um Dispens vom Zölibat ansuchten, ließ er in der Regel zehn Jahre warten, den Frauen sprach er die Befähigung zum priesterlichen Dienstamt ohne jede Argumente geradezu als Glaubenssatz ab. Ihm verdankt die Kirche jede Menge an völlig unfähigen Bischöfen, die nur deshalb zum Zuge kamen, weil sie reaktionär und gegen das Konzil eingestellt waren. Beispiele dafür gibt es nicht nur in Österreich und Europa, sondern in der ganzen Welt! Man könnte noch jede Menge an Beispielen anführen, die zeigen, wie er den konziliaren Aufbruch und die Erneuerung der Kirche ablehnte und allen Wünschen und Forderungen in dieser Hinsicht nur ein Njet entgegensetzte. Es ist offenkundig, dass mit der Seligsprechung dieses Papstes Rom und der gegenwärtige Papst einen definitiven Schlussstrich unter das Konzil und die von diesem geforderte Erneuerung der Kirche setzen will. Wer immer noch vom Konzil träumt, sollte durch diese Seligsprechung eines Besseren belehrt werden: Die Amtskirche ist wieder im Mittelalter gelandet; dürfen wir uns dies bieten lassen? Ich glaube, dass wir uns dieser Entwicklung verweigern müssen, damit die Kirche in der heutigen Welt und Gesellschaft glaubwürdig von der Botschaft Christi Zeugnis ablegen kann.

Dr. Franz Nikolasch


CARITAS-SAMMLUNG

Im Monat März ist die Caritas-Sammlung vorgesehen, deren Ergebnis Menschen in unterschiedlichen Notlagen in unserem Land finanzielle Hilfe und Unterstützung bringen soll. Viele Einrichtungen der Caritas, angefangen von den Kindergärten bis zu den Altersheimen sind auch finanzielle Zuwendungen angewiesen, damit sie ihre Leistungen erbringen können. Dem Mitteilungsblatt ist ein Zahlschein beigeheftet. Bitte verwenden Sie ihn, um durch ihre Spende die Caritas zu unterstützen, damit sie helfen kann.


FAMILIENFASTTAG

Am Sonntag, 20. März erfolgt die Kirchensammlung zur Unterstützung von Projekten in der Dritten Welt, die von der katholischen Frauenbewegung betreut werden. Es handelt sich um Projekte der Infrastruktur (Brunnen, Straßen) und der Bildung, damit die Menschen dann eigenständig ihr Leben gestalten und die Probleme bewältigen können. Erstmals wird auch eine „Fastensuppe" am Kirchplatz angeboten, die hoffentlich viel Anklang finden wird.


GNIGLER PASSIONSSINGEN

Das traditionelle „Gnigler Passionssingen" findet dieses Jahr am Samstag, 9. April um 17.00 Uhr statt. Die Lieder und Texte wollen uns das Geschehen des Leidens und Sterbens Jesu Christi wie auch seines Sieges über den Tod nahe bringen. Leider haben in den vergangen Jahren nur wenige Bewohner von St. Leonhard dieses Angebot angenommen, dennoch möchte ich dieses Jahr wieder zur Teilnahme einladen!