Hl. Leonhard

St. Leonhard, den 30. August 2009

JAHR DES PRIESTERS

Der gegenwärtige Papst hat im Anschluß an das Paulusjahr ein „Jahr des Priesters“ ausgerufen. Dagegen wäre an und für sich nichts einzuwenden, denn in der gegenwärtigen Situation der Kirche, in der von Jahr zu Jahr der Priestermangel immer größer wird, und das nicht nur in Österreich, sondern in der gesamten Weltkirche, ist es mehr als angebracht, sich mit Sinn, Inhalt und Aufgaben des priesterlichen Dienstes in der Kirche auseinander zu setzen und über Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem nachzudenken. Die Frage ist nur, auf welchem Hintergrund dies geschieht. In einem Brief des Papstes an seine „lieben Mitbrüder im priesterlichen Dienst“ – bei mir ist dieses Schreiben nicht angekommen, ich habe nur in Zeitungen und anderen Medien davon gehört und darüber gelesen – legt er den Pfarrer von Ars (ein Ort in der Nähe von Lyon), den hl. Johannes Vianney als Vorbild ans Herz. Dieser Pfarrer lebte und wirkte in der 1. Hälfte des 19. Jhts. Allein schon die Tatsache, dass dieser Pfarrer von Ars vor rund 200 Jahren gelebt hat, lässt Zweifel aufkommen, ob er für die Kirche und ihre Priester im 21. Jht. als Vorbild geeignet ist. Noch viel schlimmer ist aber das Verständnis des priesterlichen Dienstes bei diesem Pfarrer, das der Papst als Ideal für unsere Zeit verstehen will. Es sieht im Priester eine mystische Figur zwischen Himmel und Erde, einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, herausgehoben aus allen anderen Christen, mit Macht und Gewalt ausgestattet: „Sündenvergebungsgewalt“, „Wandlungsgewalt“ usw. Der Papst zitiert den Pfarrer von Ars nach seinem Biographen: „O, wie groß ist der Priester… Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben… Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein… Nach Gott ist der Priester alles!“ Ähnliche Sprüche finden sich in einem Hirtenschreiben des Salzburger Erzbischof Katschthaler (um 1900) und gehörten vor dem Konzil zum Repertoire der Primizpredigten.
Derartige Sätze sind an theologischer Dummheit kaum zu überbieten, sie haben aber nichts, wirklich nichts mit dem Neuen Testament und seinem Verständnis des priesterlichen Dienstes in der christlichen Gemeinde zu tun, auf welches sich das 2. Vatikanische Konzil nach allen Fehlentwicklungen der vorausgegangenen Jahrhunderte wieder besonnen hat und die das unaufgebbare Fundament für den Glauben der Kirche darstellt. Schaut man sich das Neue Testament in der griechischen Originalsprache an, dann stellt man fest, dass es dort für unser deutsches Wort „Priester“ zwei verschiedene Wörter gibt. Zum einen spricht das Neue Testament vom „hiereus“ und versteht darunter einerseits die heidnischen Priester, die als einzige Zugang zum Heiligtum ihrer Gottheiten hatten, wie auch die jüdischen Priester, die allein den Tempel in Jerusalem betreten durften, während alle anderen außerhalb des Heiligtums bleiben mußten! Diese Priester wurden als Mittler zwischen den Gottheiten und den Gläubigen verstanden. Andererseits wird das Wort „hiereus“ für Jesus Christus als den einzigen Priester des Neuen Bundes verwendet. Im Hebräerbrief wird ausführlich über dieses Priestertum Jesu Christi gesprochen: Er ist in seinem Sieg über den Tod in das Heiligtum Gottes eingetreten, er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen und es gibt nur diesen einzigen Priester, der ein für allemal das Gott wohlgefällige Opfer in seiner Ganzhingabe im Todesleiden am Kreuz dargebracht hat. An diesem Priestertum Jesu Christi haben alle Anteil, die durch die Taufe in seine Lebens- und Schicksalsgemeinschaft aufgenommen wurden. Im 1. Petrusbrief heißt es: „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das Gottes besonderes Eigentum ist“ (Kap. 2/9). Wer getauft ist, hat damit auch Anteil am Priestertum Jesu Christi, es ist das gemeinsame Priestertum aller Getauften, es ist das eigentliche Priestertum des Neuen Testamentes und damit auch der Kirche.
Was ist dann aber mit denen, die wir als „Priester“ bezeichnen? Im Neuen Testament werden sie nie mit dem Wort „hiereus“ bezeichnet, sondern für sie verwendet die Heilige Schrift Begriffe, die eine Leitungsfunktion innerhalb einer Gemeinschaft ausdrücken. So kommt unser Wort „Priester“ vom griechischen Wort „Presbyteros“ = „Ältester“ und bezeichnet den, der eine Gemeinde leitet und für sie Verantwortung trägt. „Bischof“ kommt vom griechischen Wort „episcopos“= „Aufseher“ und das Wort „Diakon“ vom Wort „Diakonos“, das „Helfer“ bedeutet. Sie alle haben einen Dienst in der Gemeinde, deren Glieder sie sind. Paulus spricht von den verschiedenen Diensten und Aufgaben, die die einzelnen Glieder einer Gemeinde wahrnehmen und vergleicht sie mit den einzelnen Gliedern eines Leibes: „Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden, so ist es auch mit Christus…Ihr seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm. So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die anderen als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gabe, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten der Zungenrede…“ Diese Zitate sind dem 12. Kapitel des 1. Korintherbriefes entnommen, das sich zur Gänze mit diesem Thema befasst. Paulus will sagen, dass in der Kirche jedes Glied eine Aufgabe hat, einen der vielen verschiedenen Dienste wahrnehmen soll und zu diesen Diensten zählt auch der der Leitung. Alle Mitglieder der Gemeinde, ob Mann oder Frau, ob verheiratet oder unverheiratet, haben in gleicher Weise und ohne Unterschied Zugang zu allen Diensten und damit auch zum Dienst der Leitung, keiner soll in irgendeiner Form davon ausgeschlossen sein. Wenn heute aufgrund des Priestermangels viele Gemeinden faktisch von „Nichtpriestern“, ob Männern oder Frauen geleitet werden, wenn die Glaubensunterweisung ebenfalls durch diese erfolgt, dann haben sie faktisch auch den Dienst der Leitung und den Dienst der Verkündigung übernommen; beides gehört zum Grundverständnis des priesterlichen Dienstes, auch wenn ihnen die entsprechende kirchliche Anerkennung in Form einer offiziellen Beauftragung durch eine Ordination vorenthalten wird. Wahrscheinlich muß die seelsorgliche Situation noch dramatischer und katastrophaler werden, bis in den Köpfen derer, die dafür die Verantwortung tragen, dämmern wird, was für die Kirche von heute in der Rückbesinnung auf das Neue Testament im Verständnis des priesterlichen Dienstes gefordert ist. Um diese Erleuchtung zu beten und um selbst im Bereich der Gemeinde alle Möglichkeiten zu nutzen, sowie um deutlich zu machen, dass es in der Kirche zwar verschiedene Dienste und Aufgaben, aber aufgrund der Taufe für alle die gleiche Würde und die gleichen Rechte gibt, wie es das Konzil formuliert hat, ist mit Sicherheit eine lohnende Aufgabe zur Begehung eines „Jahres des Priesters“. Ob dazu aber bei denen, die in der Kirche die Verantwortung tragen, eine Bereitschaft vorhanden ist, wage ich zu bezweifeln, aber hoffen wird man noch dürfen, denn die Hoffnung stirbt als letzte.


Dr. Franz Nikolasch

CARITAS-SAMMLUNG

Die diesjährige August-Sammlung zugunsten der Auslandshilfe der Caritas erbrachte bisher insgesamt einen Betrag von € 766.61. Namens der Caritas möchte ich allen danken, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Angesichts der Tatsache, dass die sonntägliche Gottesdienstgemeinde immer mehr schrumpft, ist dieses Ergebnis ein Zeichen dafür, dass von den Teilnehmern die Verantwortung für die Notleidenden in der Welt ernst genommen wird.

WALLFAHRT DER KIRCHENGEMEINSCHAFT

Die diesjährige Wallfahrt findet am Samstag, 12. September statt und hat als Ziel Heiligenblut im Mölltal. Bei Schönwetter geht die Rückfahrt über die Großglockner Hochalpenstraße. Einige Plätze sind noch frei. Anmeldungen bei Frau Wall Tel. 06246/72405.

ERNTEDANKFEIER

Die Erntedankfeier findet am Sonntag, 27. September statt. Um 8.15 erfolgt die Segnung der Erntekrone am Kirchplatz, anschließend die Prozession und der Gemeindegottesdienst. Um 10.00 Uhr ist dann der Kindergottesdienst mit einer Erntedankfeier der Kinder.

GLAUBENSGESPRÄCH

Das Thema des nächsten Glaubensgesprächs am Freitag, 2. Oktober um 19.00 Uhr gilt dem Römerbrief des Apostels Paulus und seinem Verständnis der Beziehungen zwischen Juden und Christen. Darf es eine Judenmission geben oder haben die Juden ihren eigenen Weg der Erlösung? Gerade in den vergangenen Monaten war dieses Thema in Zusammenhang mit der Formulierung einer Fürbitte des Karfreitags durch den gegenwärtigen Papst sehr umstritten.