Hl. Leonhard

St. Leonhard, den 20. Juni 2009

HAT DIE KIRCHE (NOCH) EINE ZUKUNFT?

Wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahrzehnte anschaut, dann muß man feststellen, dass es mit der „Kirchlichkeit“ in unserer Bevölkerung von Jahr zu Jahr abwärts geht. Dies zeigt sich allein darin, dass nur mehr wenige am Sonntagsgottesdienst teilnehmen, der Kernstück des christlichen Lebens sein soll. Aber auch in unserer Gesellschaft hat trotz aller repräsentativen Präsenz in der Öffentlichkeit die Kirche nur mehr eine marginale Bedeutung und noch dazu ein äußerst schlechtes Image. Neben den vielen Gründen, die einfach mit der Entwicklung unserer Gesellschaft zusammenhängen, und die wir nur schwer beeinflussen können, gibt es aber jede Menge an innerkirchlichen Gründen, die zu dieser Situation geführt haben, dass das Ansehen der Kirche heute bei den Menschen so katastrophal ist. Denken wir nur an die Skandale mit pädophilen Priestern in aller Welt, von Österreich über Irland bis in die USA, über die vatikanischen Finanzskandale bis hin zu Aussagen des gegenwärtigen Papstes, der immer für eine Aufregung gut ist. Das Erscheinungsbild der Kirche wird einfach als nicht mehr zeitgemäß empfunden, sondern als antiquiert und verstaubt, angefangen von der unsäglichen Pillenenzyklika über die Verweigerung jeder Reformen bis hin zu den Eitelkeiten in Kleidung und Titeln hoher und höchster Amtsträger oder wie es so schön heißt „Würdenträger“ in Violett und Purpur.
Es gab einmal eine Aufbruchsbewegung in unserer Kirche, lang ist es her, rund fünfzig Jahre. Da gab es auch einen Papst, der von der Notwendigkeit eines „Aggiornamento“, einer auf den heutigen Stand zu bringenden Kirche sprach und dies durch eine gesamtkirchliche Versammlung, das Konzil, erreichen wollte. Programmatisch heißt es am Beginn der Liturgiekonstitution, die zur Grundlage für die Erneuerung unseres Gottesdienstes werden sollte: „Das Heilige Konzil hat sich zum Ziel gesetzt, das christliche Leben unter den Gläubigen mehr und mehr zu vertiefen, die dem Wechsel unterworfenen Einrichtungen den Notwendigkeiten unseres Zeitalters besser anzupassen, zu fördern, was immer zur Einheit aller, die an Christus glauben, beitragen kann, und zu stärken, was immer helfen kann, alle in den Schoß der Kirche zu rufen“. Reformprojekte wurden eingeleitet, es erfolgte eine offene Diskussion aller anstehenden Probleme und eine Hinwendung zu den anderen Kirchen und Religionen. Das Konzil war noch nicht zu Ende, da hat Rom wieder die alten Machtpositionen für sich beansprucht und sie dazu benützt, alle Reformprojekte abzuwürgen und auf alle Vorschläge für eine Bewältigung der Probleme, der sogenannten „heißen Eisen“ nur mit einem Njet geantwortet. Man erlebte einen Stillstand in der Kirche. Heute wäre man damit schon zufrieden, denn der polnische Papst und sein deutscher Nachfolger gingen und gehen noch weiter, insofern der Rückschritt hinter das Konzil angesagt ist und die wenigen Reformen, die verwirklicht wurden, wieder abgeschafft werden. Rom hat in den letzten Jahrzehnten ein zentralistisches und absolutistisches System aufgebaut, wie es nie zuvor in der Geschichte der Kirche gegeben hat. Hatte man am Konzil trotz römischer Widerstände von der Mitverantwortung der Bischöfe in der Kirchenleitung gesprochen, so sind diese heute nur mehr römische Erfüllungsgehilfen oder Marionetten, die nach der römischen Pfeife tanzen müssen. Damit nicht genug wurden auch die in der Wissenschaft tätigen Theologen an die Kandare genommen. Kein Professor der Theologie kann ernannt werden, wenn nicht Rom zuvor ihn auf seine „Rechtgläubigkeit“, d. h. eine vollständige Übereinstimmung mit der römischen Lehre überprüft hat.
Am Beginn des 20. Jahrhunderts gab es auch eine Erneuerungsbewegung, die aber von Rom brutal unterdrückt und abgewürgt wurde, den sogenannten „Modernismus“. Einer seiner Vertreter sagte damals: „Jesus Christus verkündete das Reich Gottes, gekommen aber ist die Kirche“. Er wollte damit auf die Diskrepanz zwischen dem Anspruch der Botschaft Jesu Christi und dem was Menschen im Laufe der Jahrhunderte daraus gemacht haben, hinweisen. Dies gilt erst recht heute, denn das Herrschaftssystem in unserer Kirche hat nicht viel mit dem Vermächtnis Jesu zu tun, der sagte, wer unter euch der erste sein will, der sei der Diener aller! Der französische Bischof Gaillot, er wurde von Rom seines Amtes enthoben, hat es für unsere Zeit formuliert: “Eine Kirche, die nicht mehr dient, dient zu nichts!“ Würde die Amtskirche, und damit ist in erster Linie Rom gemeint, wirklich die Frohbotschaft Christi verkünden und ihr dienen, wäre sie auch wieder glaubwürdig. Voraussetzung dafür ist eine Rückbesinnung auf das Konzil und die Verwirklichung der von diesem in die Wege geleiteten Reformen in der Kirche. Dass dies vom gegenwärtigen Papst nicht zu erwarten ist, liegt auf der Hand, aber Päpste kommen und gehen, was bleibt, ist die Kirche als die letztlich von Gottes Geist geführte Gemeinschaft. Er vermag auch in scheinbar aussichtslosen Zeiten die Kirche zu erneuern und vielleicht kommt doch wieder einmal ein Papst wie Johannes XXIII., der die Kirche mutig in die Zukunft und nicht zurück in die Vorvergangenheit führt. Das sollten wir „wider alle Hoffnung erhoffen.“

Dr. Franz Nikolasch

LICHT FÜR DIE WELT

Die Kirchensammlung vom Gründonnerstag war für den Verein „Licht für die Welt“ bestimmt und erbrachte mit einigen zusätzlichen Spenden insgesamt € 300.- Mit diesem Betrag können in Afrika 10 Augenoperationen finanziert werden, die aufgrund verschiedener Krankheiten erblindeten Menschen das Augenlicht zurückgeben. Wenn man bedenkt, was es für einen Menschen bedeutet, wieder sehen zu können, dann ist ein Betrag von € 30.- für eine Operation fast nichts. Wir werden auch weiterhin diese Aktion, an der sich österreichische Augenärzte unentgeltlich beteiligen, unterstützen.

RESTAURIERUNGEN

St. Leonhard besitzt neben anderen wertvollen Geräten auch kostbare Silberleuchter, die zu den Festzeiten am Hochaltar aufgestellt werden. Dazu kommt noch ein Altarkreuz und eine Ewiglicht-Ampel. Eine Restaurierung dieser Gegenstände war aufgrund ihres Erhaltungszustandes angebracht. Ein Salzburger Handwerksbetrieb hat diese Arbeiten vorgenommen, sodaß  die Silbergeräte wieder in ihrer ursprünglichen Schönheit und Pracht erstrahlen. Insgesamt € 3.000.- mussten dafür aufgewendet werden, aber die Mühen und Kosten haben sich gelohnt.

GLAUBENSGESPRÄCH

Aufgrund verschiedener Terminschwierigkeiten kann das nächste Glaubensgespräch, das auch das letzte vor der Sommerpause sein wird, erst am Freitag, 26. Juni im Anschluß an die Abendmesse um 19.00 Uhr stattfinden. Es wird sich wieder mit dem Wirken des Apostels Paulus, näherhin mit seinem wichtigsten Schreiben, dem Römerbrief befassen. In diesem Schreiben setzt sich der Apostel mit der für das Verständnis unseres Lebens als Christen entscheidenden Frage auseinander, nämlich der Frage, wie der Mensch vor Gott bestehen kann oder wie es Luther formulierte: „Wie finde ich einen gnädigen Gott“. Ein weiteres Thema dieses Briefes ist die Stellung des Volkes Israel in der Heilsgeschichte. Gerade in dieser Frage gab es –mit Recht- heftige Proteste gegen die vom gegenwärtigen Papst formulierte Karfreitagsbitte, die auf eine „Bekehrung“ des Volkes Israel zu Jesus Christus hinausläuft und im Widerspruch zur Formulierung dieser Fürbitte steht, die wir in der erneuerten Liturgie seit dem Konzil verwenden.

WALLFAHRT DER KIRCHENGEMEINSCHAFT

Ziel der diesjährigen Wallfahrt, die am Samstag, 12. September stattfindet, ist Heiligenblut in Kärnten. Abfahrt um 7.00 Uhr vom Kirchplatz in St. Leonhard. Wir fahren über die Tauernautobahn bis zum Millstättersee, um dann über das Mölltal nach Heiligenblut zu gelangen, wo wir in der herrlichen gotischen Wallfahrtskirche den Gottesdienst feiern. Das Mittagessen nehmen wir ebenfalls in Heiligenblut ein. Die Rückfahrt geht bei Schönwetter über die Großglocknerstraße und das Salzachtal, bei Schlechtwetter über Lienz und den Felbertauern.
Die Fahrtkosten betragen € 25.- .
Anmeldungen bei Frau Wall Tel. 06246 / 724 – 05.