St. Leonhard, den 12. September  2008

V O M   S A U L U S   Z U M   P A U L U S

Mit diesem Wortspiel wird auf die Bekehrung des ehemaligen Christenverfolgers Saulus zum glühendsten Verkünder der Botschaft Jesu Christi Paulus Bezug genommen. Diese Begründung für die Namensänderung stimmt nicht ganz, denn nach den Berichten der Apostelgeschichte findet die Namensänderung nicht im Anschluß an das Damaskusereignis statt, sondern als Paulus im Zuge seiner ersten Missionsreise von Antiochien in Syrien nach Zypern kommt und dort vor dem römischen Statthalter Sergius Paulus die christliche Botschaft verkündet und dessen Bekehrung erreicht. In diesem Zusammenhang spricht die Apostelgeschichte vom Apostel „Saulus, der auch Paulus heißt“(Apg. 13/9). Fortan begegnet uns nur mehr dieser Name. Saulus war der jüdische Name, Paulus hingegen der römische, den er dann auf seinen Missionsreisen innerhalb des Römischen Reiches und auch sonst in seinem weiteren Leben wie auch in seinen Briefen verwendete. Er wollte damit wohl zum Ausdruck bringen, dass seine Verkündigung der Frohbotschaft Jesu Christi sich nicht an die Juden wendet, sondern an die „Heiden“, d. h. an alle nichtjüdischen Völker. Diese Sendung wird auch ausdrücklich in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Paulus bezeugt, wenn er etwa darauf hinweist, dass dem Petrus und den anderen Aposteln die Sendung zu den Juden, ihm aber und seinen Mitarbeitern die zu den Heidenvölkern zuteil wurde.

Wer war dieser Mann und welche Bedeutung kommt ihm für das Verständnis des christlichen Glaubens zu? Die christlichen Kirchen ohne Unterschied der Konfessionen begehen von Juni 2008 bis Juni 2009 das „Paulusjahr“, da man nach der Tradition davon ausgeht, dass dieser Apostel um das Jahr 8 n. Chr. geboren wurde und deshalb die 2000 jährige Wiederkehr gefeiert werden kann. Geboren wurde er zu Tarsus in Zilizien als Sohn frommer jüdischer Eltern, die das Zeltmachergewerbe betrieben und vermutlich begütert waren. Sie besaßen das römische Bürgerrecht, sodass Paulus stolz sagen kann, von Geburt an „römischer Bürger“ zu sein und dieses Recht sich nicht erkauft zu haben. Nach Abschluss seiner Berufsausbildung als Zeltmacher schickten ihn die Eltern nach Jerusalem, wo er Schüler des damals berühmtesten Gelehrten, des Rabbi Gamaliel, wurde. Er war von Eifer für die jüdische Religion durchdrungen und war auch Zeuge der Steinigung des Stephanus. Im Unterschied zu den anderen Aposteln wissen wir über sein Leben und Schicksal wie auch über sein Wirken relativ viel, da der zweite Teil der Apostelgeschichte sich ausschließlich dem Leben und Wirken des Paulus widmet. Aufgrund der zahlreichen Briefe, die er entweder selbst geschrieben hatte oder die in seinem Geiste von Mitarbeitern und Schülern später verfasst wurden, können wir sagen, dass Paulus den größten Einfluß auf die Entwicklung und Entfaltung des christlichen Glaubens ausgeübt hat. Seine Briefe sind die frühesten schriftlichen Zeugnisse der Glaubensverkündigung und reichen bis in die Zeit um 50 n. Chr. zurück, während die Evangelien ausnahmslos ihre heutige Gestalt erst nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr.  bis zur Jahrhundertwende erhalten haben. Wenn auch Paulus in seinen Briefen keine systematische Abhandlungen zu einzelnen Glaubensthemen verfasst hat, sondern auf konkrete Anfragen bzw. auf  die konkrete Situation in den einzelnen Gemeinden Bezug nimmt, so sind doch seine Ausführungen Grundlage und Richtschnur für unser christliches Glaubensverständnis.

Paulus ist es, der die Freiheit des Christen vom jüdischen Gesetz vehement verteidigte und somit die christliche Gemeinde aus einer jüdischen Sekte zu einer eigenständigen Gemeinschaft formte. Paulus ist es, der immer wieder betont, dass der Mensch vor Gott nicht aufgrund seiner Werke bestehen kann, sondern dass er einzig aufgrund seines Glaubens gerettet wird, eines Glaubens, der von rückhaltlosem Vertrauen zu Gott, letztlich von der Liebe  geprägt ist. Ruhelos zog er auf seinen Missionsreisen durch das Römische Reich, ungeachtet aller Verfolgungen und Gefahren, um in den wichtigsten Zentren die christliche Botschaft zu verkünden und Gemeinden zu gründen, die wiederum Ausgangspunkt für Neugründungen in der näheren und weiteren Umgebung wurden. Aus seinen Briefen wird ersichtlich, dass er den Plan hatte, auch im Westen des Römischen Reiches bis nach Spanien die Frohbotschaft zu verkünden. Ob ihm dies gelungen ist, wissen wir nicht. Die Überlieferung berichtet nur, dass er um das Jahr 66 n. Chr. in Rom das Martyrium durch Enthauptung erlitten habe. Sein Leichnam wurde in einem Friedhof beigesetzt, der sich an der Straße von Rom nach Ostia befand. Heute erhebt sich über seinem Grab eine  großartige fünfschiffige Basilika, die uns einen Eindruck von jener Basilika vermittelt, die seit dem ausgehenden 4. Jahrhundert durch nahezu 1500 Jahre existierte. Wie sehr er für alle christlichen Kirchen  und selbst für Moslems eine faszinierende Persönlichkeit ist, zeigte sich am deutlichsten als die Paulusbasilika im Jahre 1823 ein Raub der Flammen wurde und beim Wiederaufbau in den darauffolgenden Jahrzehnten die gesamte Welt mithalf. Neben den katholischen und protestantischen Herrschern waren durch Spenden der Zar von Russland wie auch der Vizekönig von Ägypten beteiligt, um die Paulusbasilika wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Bei der Eröffnung des Paulusjahres in seinem Geburtsort Tarsus war diese überkonfessionelle Bedeutung des Paulus daran zu erkennen, dass der mitwirkende Chor sich aus Katholiken, Orthodoxen, Protestanten, Juden und Aleviten zusammensetzte.
Im Verlaufe der kommenden Monate soll die Gestalt und die Bedeutung dieses Apostels uns wieder bewusst werden.

CARITAS-SAMMLUNG
Die August-Sammlung zugunsten der Auslandhilfe der Caritas erbrachte insgesamt einen Betrag von €  652.-. Namens der Caritas möchte ich allen danken, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Wenn angesichts der zahlreichen Spendenaufrufe eine skeptische Haltung verständlich ist, so ist doch die Caritas eine Institution, wo die Gelder nicht in zwielichtigen Kanälen verschwinden, sondern dort ankommen wo sie gebraucht werden und wofür sie bestimmt sind. Notsituationen und Katastrophen bedrohen die Menschen in aller Welt, denken wir nur an die zahlreichen Erdbeben, Überschwemmungen und sonstigen Naturkatastrophen, die dieses Jahr viele Länder heimgesucht haben. Hier den Menschen zu helfen ist unsere Aufgabe als Christen, die den Auftrag des Herrn ernst nehmen wollen.

WALLFAHRT DER KIRCHENGEMEINSCHAFT
Dieses Jahr findet die Wallfahrt am Samstag, 27. September statt und geht nach San Daniele in Friaul. Abfahrt um 6.00 Uhr früh. Am Nachmittag ist ein Besuch im „Haus der Schmetterlinge“ geplant, wo neben Präparaten auch lebende Schmetterlinge aus aller Welt gezeigt werden. Anmeldungen bei Frau Wall Tel. Nr. 06246/72405.

ERNTEDANKFEIER
Die Erntedankfeier halten wir dieses Jahr am Sonntag, 28. September. Um 8.15 Uhr erfolgt die Segnung der Erntekrone am Kirchplatz, anschließend die Prozession und der Gemeindegottesdienst. Der Kindergottesdienst ist dann um 10.00 Uhr.

GLAUBENSGESPRÄCH
Als Thema der Glaubensgespräche ist dieses Jahr die Person, das Wirken und die Lehre des Apostels Paulus vorgesehen. Wir beginnen am Freitag, 17. Oktober um 19.30 Uhr.



Ihr
Dr. Franz Nikolasch