St. Leonhard, den 20. Juni 2008

„Abschied von Hochwürden“

So lautete der Titel eines Buches, das kurz nach Beendigung des Konzils, also vor rund vierzig Jahren herauskam und aufzeigen wollte, dass mit den Erklärungen des Konzils ein neues Priesterbild geschaffen wurde, das aber wiederum kein „neues“ war, sondern die Rückkehr zu den biblischen Quellen bedeutete, d. h. eine Rückbesinnung auf das ursprüngliche Verständnis. Schaut man sich nämlich die Texte des Neuen Testamentes an, so stellen wir fest, dass es im Unterschied zu den vielen Priestern des Alten Testamentes nur das Priestertum Jesu Christi gibt: er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen, er hat in seinem Leiden und Sterben das Opfer dargebracht, das ein für allemal die Versöhnung mit Gott bewirkt hat. Ausführlich behandelt dieses Thema der sogenannte Hebräerbrief, der sich an Judenchristen richtet und ihnen den Unterschied zum alttestamentlichen Tempelkult aufzeigen will. An diesem Priestertum Jesu Christi haben alle Anteil, die durch die Taufe in die Lebensgemeinschaft Jesu Christi aufgenommen wurden. Deshalb heißt es im 1. Petrusbrief, dass wir alle „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm sind, ein Volk, das Gottes besonderes Eigentum geworden ist“ (1. Pe 2,9).

Wenige Zeilen vorher heißt es: „Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen“ (1Pe 2,5). Dementsprechend sagt das Konzil, dass alle Gläubigen auf je besondere Weise am Priestertum Christi teilhaben und dass „unter allen eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi, wenn auch einige nach Gottes Willen als Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für andere bestellt sind“(Ki Konst.). Das Konzil zitiert dazu noch den hl. Augustinus: „Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade, jenes die Gefahr, dieses das Heil.“ Augustinus wollte damit sagen, dass jedes Amt die Gefahr in sich trägt, nicht mehr als Dienst an und in der Gemeinde verstanden zu werden, sondern als Macht und Gewalt über die Gemeinde. Dementsprechend betont das Konzil immer wieder, dass die Aufgabe jedes Amtes in der Kirche der Dienst an der Kirche sei, die wir alle sind und das bedeutet „Abschied von Hochwürden“.
Das Konzil liegt lange zurück, seine Aussagen sind vergessen und verdrängt und Rom verhält sich so, als habe es nie ein Konzil gegeben. Dementsprechend hat auch das Priesterbild der Amtskirche wieder vorkonziliare Züge angenommen, eine neue „Klerikalisierung“ ist eingetreten, Kollar und Talar sind wieder zum Markenzeichen des angepassten Priesters geworden, aber was noch schlimmer ist, an die Stelle vom Dienst an und in der Gemeinde ist wieder die Vorstellung von Macht und Gewalt über die Gemeinde getreten. Aufgrund seiner „Weihe“ kommt dem Priester eine besondere Nähe zu Gott, eine besondere Würde zu.

Trotzdem gibt es auch heute einen „Abschied von Hochwürden“ und das in einem geradezu bedrohlichen Sinne, insofern immer weniger Priester für die Seelsorge zur Verfügung stehen. Als Folge dieser Entwicklung wurden zuerst die Kaplansposten der Reihe nach gestrichen, heute gibt es kaum noch welche und wenn, dann nur für sehr kurze Zeit. Der nächste Schritt ist nun, dass Pfarren zu „Pfarrverbänden“ zusammengelegt werden und die Besetzung dieser Pfarren erfolgt nach dem Prinzip „Loch zu, Loch auf“. Schaut man sich noch die Alterspyramide bei den Pfarrern an, dann wird auch die Sache mit diesen „Pfarrverbänden“ nicht lange halten, und was dann?
Es gäbe genügend Berufungen, wenn man sie nur akzeptieren würde. Kein Mensch versteht noch die Tabuisierung des Priesterzölibats durch Rom, wenn alle Kirchen des Ostens, auch die mit Rom unierten, verheiratete Priester kennen und wenn Rom selbst verheiratete evangelische oder anglikanische Priester in der römisch-katholischen Kirche zulässt; nur mit den eigenen kennt Rom keinen Pardon. Es sieht auch niemand mehr ein, wenn Frauen der Zugang zum Dienstamt in der Kirche verwehrt wird, zumal viele Frauen Aufgaben wahrnehmen, die mit Leitung und Verkündigung zu tun haben, die ja die Hauptaufgaben des Amtes in der Kirche bilden. Außerdem kannte der Apostel Paulus sehr wohl in seinen Gemeinden zahlreiche Frauen, die Gemeindeverantwortung trugen und vielfältige Aufgaben wahrnahmen, wie der Grußadresse des Apostel am Schluß des Römerbriefes zu entnehmen ist (Röm 16). Aber, wo kein Wille ist, ist auch kein Weg und so wird halt weiterhin eine Pfarrei mit der anderen zusammengelegt, ob dadurch auch der unmittelbare Kontakt mit den Pfarrangehörigen leidet oder überhaupt zugrunde geht, spielt für Rom anscheinend keine Rolle.

„Abschied von Hochwürden“ kann aber auch zu Überlegungen führen, wie notwendig und unentbehrlich Amtsträger für die Kirche überhaupt sind bzw. wieweit eine Gemeinde selbst die Dinge in die Hand nehmen kann und soll. Dass Vieles im Leben einer Pfarre ohne den „geweihten Priester“ gehen kann, erleben wir ja schon weithin. Wieweit auch zentrale Feiern wie die Eucharistiefeier ohne ihn möglich sind, kann zumindest überlegt werden, wenn man bedenkt, dass diese Feier von der Gemeinde getragen wird, wenn auch „unter der Leitung des Priesters“ und wenn man bedenkt, dass die Gegenwart des Herrn in der Feier nicht durch eine Art „Zauberworte“ zustande kommt, sondern durch das von der Gemeinde vollzogene Gedächtnis des Todes und der Auferstehung des Herrn. Er selbst hat ja gesagt, „wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Warum soll das nicht gelten, wenn bei der Feier des Mahles das Gedächtnis des Herrn vollzogen wird, auch wenn kein amtlich bestellter Leiter zugegen ist?
Fragen, mit denen sich die Gemeinden in Zukunft intensiver auseinander setzen sollten. Auf alle Fälle ist es angebracht, dass alle Christen sich ihrer gemeinsamen Würde bewusst werden, die darin besteht, dass sie aufgrund der Taufe am Priestertum Jesu Christi teilhaben.

Obmann der Kirchengemeinschaft
Herr Anton Latsch hat aus Altersgründen die Funktion des Obmanns in der Kirchengemeinschaft zurückgelegt und sie an Herrn Josef Gansberger weitergegeben . Wir alle haben Herrn Latsch für die vielfältige, verantwortungsvolle Arbeit zu danken; er bleibt uns auch weiterhin in der Mitarbeit erhalten. Seinem Nachfolger ist für seine Bereitschaft, diese Aufgabe zu übernehmen zu danken. Auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit für die Kirchengemeinschaft!

Wallfahrt der Kirchengemeinschaft
Am Samstag, 13. September findet die traditionelle Wallfahrt statt. Da im Süden in der Regel das Wetter sicherer ist, fahren wir diesmal nach San Daniele in Friaul. Auf der Rückfahrt besuchen wir die „Casa delle farfalle“ in Bordan, wo sich eine großartige Ausstellung toter und lebender Schmetterlinge aus der ganzen Welt befindet. Abfahrt ist um 6.00 Uhr früh vom Kirchplatz. Nähere Informationen folgen.

Caritas-Sammlung für Burma
Die Kirchensammlung am Sonntag, 1. Juni war für die Opfer der Flutkatastrophe von Burma bestimmt und erbrachte insgesamt € 292.-. Da die Caritas über Einsatzkräfte vor Ort verfügt, ist die Hilfe für die notleidende Bevölkerung gesichert und die Spenden kommen dort an, wo sie hingehören. Allen, die einen Beitrag geleistet haben, sei dafür herzlich gedankt!


Ihr
Dr. Franz Nikolasch