St. Leonhard, den 15. April 2008
 

CHRISTENTUM – JUDENTUM

In letzter Zeit gab es im interreligiösen Gespräch eine große Diskussion um die in der Feier des Karfreitags vorgesehene Fürbitte für das jüdische Volk. Der gegenwärtige Papst hat vor einem Jahr die uneingeschränkte Wiederzulassung der vorkonziliaren Feier des Gottesdienstes verfügt und damit die Reformarbeit des 2. Vatikanischen Konzils (1962 – 65) desavouiert, das sich u. a. zur Aufgabe gemacht hatte, die überkommene Liturgie zu erneuern. Nicht eine „neue“ Liturgie war das Ziel, sondern eine „erneuerte“ Liturgie, die einerseits auf die Erfordernisse unserer Zeit Rücksicht nimmt, andererseits ihren eigentlichen Sinn und ihre Bedeutung in der Rückbesinnung auf die Ursprünge und die darauf aufbauende Tradition wieder deutlicher zum Ausdruck bringen sollte. In diesem Zusammenhang kam es auch zu einer völligen Neufassung der Karfreitagsbitte für das jüdische Volk, die dessen Rolle in der Heilsgeschichte wieder so sieht, wie sie der Apostel Paulus im Römerbrief gesehen hatte, nämlich als das ersterwählte Volk Gottes, mit dem dieser durch die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob einen Bund geschlossen hatte, der dann mit dem gesamten Volk nach dem Auszug aus Ägypten am Berge Horeb bekräftigt wurde. Der vorherige Text hatte von einer Verwerfung dieses Volkes und einer zu seinem Heil notwendigen Bekehrung zum Christentum gesprochen. Konkret lautete dieser Text: „Lasset uns auch beten für die Juden. Gott, unser Herr, möge den Schleier von ihren Herzen wegnehmen, auf dass auch sie unseren Herrn Jesus Christus erkennen - Allmächtiger, ewiger Gott, du schließt auch die Juden nicht aus von deiner Erbarmung: erhöre unsere Gebete, die wir ob der Verblendung jenes Volkes vor dich bringen: mögen sie das Licht deiner Wahrheit, das Christus ist, erkennen und ihrer Finsternis entrissen werden.“ Papst Johannes XXIII. hatte schon vor dem Konzil aus diesem Text das Wort „ungläubige Juden“ gestrichen und so einen ersten Schritt zu einer geänderten Einstellung gesetzt. In der erneuerten Karfreitagsbitte lautet der Text: „Lasset uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat. Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will – Allmächtiger, ewiger Gott, du hast Abraham und seinen Kindern deine Verheißungen gegeben. Erhöre das Gebet deiner Kirche für das Volk, das du als erstes zu deinem Eigentum erwählt hat. Gib, dass es zur Fülle der Erlösung gelangt.“

Da ich 1967-68, als diese Erneuerung vorgenommen wurde, im römischen Liturgierat tätig war, erinnere ich mich noch sehr gut an die Diskussionen, die gerade zu dieser Fürbitte geführt wurden. Während durch so viele Jahrhunderte hindurch die Beziehung zwischen Juden und Christen mehr als belastet war, dem Volk kollektiv die Schuld am Tode Jesu zugeschrieben wurde und so ein religiöser Antisemitismus die Einstellung der Christen beherrschte, war nunmehr eine völlig neue Sicht, die sich auf den Apostel Paulus berufen konnte, eingetreten. Das Konzil zitiert den Apostel Paulus, der von seinen Stammesverwandten, den Juden, sagt, dass ihnen „die Annahme an Kindes Statt, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter, und dass aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt“ (Röm. 9,4-5). Die endzeitliche Erlösung des Volkes Israel wird aufgrund seiner Treue zum Bund erfolgen, den Gott mit Abraham, Isaak und Jakob sowie mit dem Volk am Berge Sinai geschlossen und erneuert hat. Christen und Juden sollen sich ihres gemeinsamen Erbes, nämlich der Schriften des Alten Testaments, der Traditionen und des Gottesdienstes bewusst sein.
Wenn der gegenwärtige Papst wieder eine Formulierung in den Fürbitten des Karfreitags anerkennt, die zu dieser theologischen Sicht des Konzils sowie der erneuerten Liturgie in Widerspruch steht, dann widerspricht dies auch den Aussagen des Apostels Paulus über das Verhältnis zwischen Juden und Christen. Gott hat dem jüdischen Volk in seiner Religion seinen eigenen Weg des Heiles gegeben, wir Christen haben kein Recht, dies abzulehnen und es „bekehren“ zu müssen. Christen und Juden sollen je ihren eigenen Weg gehen im Bekenntnis zum einen gemeinsamen Gott. Das Konzil hat in seiner Erklärung jede Form von Antisemitismus zurückgewiesen und verurteilt, der nur allzu lange das Verhältnis zwischen Christen und Juden belastet hat und nicht zuletzt auch eine der Ursachen für den Holocaust gewesen ist, durch den Hitler und seine Schergen das Judentum vernichten wollten. Jede Andeutung einer solchen Haltung, jeder Ansatz zu einer Abwertung des jüdischen Glaubens muss mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Dies gilt auch von jedem Abrücken von den Aussagen des 2. Vatikanischen Konzils und deren Konkretisierung in der Bitte des Karfreitagsgottesdienstes

CARITAS-SAMMLUNG
Im vergangenen März fand die alljährliche Sammlung der Caritas für die Inlandshilfe statt. Wenn auch nicht sehr viele Mitglieder unserer Kirchengemeinschaft sich daran beteiligt haben, so konnte doch in Verbindung mit der Kirchensammlung von Ostern ein Gesamtergebnis von € 923.- erzielt werden. Allen, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben, sei für ihre Spende herzlich gedankt. Die anderen möchte ich bitten, doch daran zu denken, dass die Gelder der Caritas wirklich dort ankommen, wo sie benötigt werden und dass wir füreinander, vor allem aber für die Notleidenden Verantwortung tragen: „Was ihr den Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!“ heißt es in der Gerichtsrede des Herrn. Bei vielen sogenannten „Sekten“ ist es Pflicht, den zehnten Teil ihres Einkommens den Armen zu geben. Könnten wir uns nicht verpflichten, wenigstens den zehnten Teil des zehnten Teiles zu geben?

MAIANDACHTEN
Es ist schon guter Brauch, dass jeden Samstag im Mai an verschiedenen Orten die Maiandacht bzw. die Vorabendmesse gefeiert wird, sofern es die Wetterlage zulässt. Dieses Jahr sind folgende Orte vorgesehen: 3. Mai: Hubertuskapelle, 17. Mai: Gartenauerplatz, 24. Mai: Gutratsberg, 31. Mai: Hubertuskapelle. Beginn ist jeweils um 19.00 Uhr. Ich würde mich freuen, wenn viele zu diesen Andachten kommen.

ERSTKOMMUNIONFEIER
Für die Erstkommunionkinder aus dem Bereich von St. Leonhard halten wir eine besondere „Nachfeier“ in unserer Kirche. Dieses Jahr findet die Feier am Samstag, 26. April um 19.00 Uhr statt. Diese Feier soll Ausdruck der Verbundenheit unserer Kirchengemeinschaft mit den Erstkommunionkindern sein, die doch zu uns gehören und die sich mit ihren Eltern zur Mitfeier unserer Gottesdienste eingeladen wissen sollen.

MARIENFEIER
Am Samstag, 10. Mai um 19.00 Uhr findet das Mariensingen des Volksliedchores Grödig in unserer Kirche statt. Mit Liedern, Weisen und Texten soll das Gedächtnis der Mutter Jesu, die er ja uns allen zur Mutter gegeben hat, geehrt werden. Ich hoffe, dass viele an dieser Feier teilnehmen werden. Die freiwilligen Spenden gehen dieses Mal an die Organisation „Menschen für Menschen“ von Karlheinz Böhm, der mit diesem seinem Lebenswerk den Menschen in Äthiopien, das ja eines der ältesten christlichen Länder ist, helfen will, damit sie ein menschenwürdiges Leben führen können und aus den ständigen Gefährdungen durch Hungersnöte und sonstige Naturkatastrophen herauskommen. 

Ihr
Dr. Franz Nikolasch