St. Leonhard, den 17. September 2007

DIE KIRCHE UND DIE KIRCHEN

Vor ungefähr zwei Monaten kam aus dem Vatikan die Meldung, dass die römische Glaubenskongregation, die sich als Hüterin der katholischen Rechtgläubigkeit versteht, festgestellt habe, die allein wahre Kirche Jesu Christi sei die unter der Leitung des Papstes stehende katholische Kirche. Die Kirchen des Ostens, vor allem die orthodoxen Kirchen, kämen dieser recht nahe, hätten aber gewisse Defizite, da sie u. a. den Papst nicht als Oberhaupt anerkennen, die Kirchen der Reformation hingegen seien nicht Kirchen im eigentlichen Sinn, sondern nur „kirchliche Gemeinschaften“. Dass diese Erklärung, die von einer beispiellosen Überheblichkeit gekennzeichnet ist, vor allem in den evangelischen Kirchen auf größte Empörung gestoßen ist, war mehr als naheliegend. Von Rom wurde mit dieser Erklärung nur das neuerlich betont, was im Jahre 2000 dieselbe Glaubensbehörde, die damals unter der Leitung des gegenwärtigen Papstes stand, schon einmal erklärt hatte. Konnte man die damalige Erklärung noch als einen einmaligen Ausrutscher betrachten, so zeigt die neue Erklärung, die ausdrücklich vom Papst gebilligt wurde, dass Rom bewusst die anderen christlichen Kirchen vor den Kopf stoßen will.

Mit der Einstellung, die hinter dieser Erklärung steht, werden durch den gegenwärtigen Papst nicht nur die jahrzehntelangen Bemühungen um die Verwirklichung einer sichtbaren Einheit unter den Christen desavouiert, sondern auch das Konzil, das vor mehr als 40 Jahren von Papst Johannes XXIII. einberufen wurde, um durch eine Reform der katholischen Kirche die Wege für eine Einigung mit den anderen Kirchen zu ebnen. In seinem Dokument über die Kirche hatte das Konzil zwar betont, dass die katholische Kirche die Kirche Jesu Christi sei, diesen Anspruch aber im Gegensatz zu den vorausgegangenen Zeiten nicht exklusiv für sich vertreten, sondern in einer offenen Formulierung auch die getrennten Kirchen als Glieder der Kirche Jesu Christi anerkannt. Diese Aussage hing auch damit zusammen, dass das Konzil die Gültigkeit der Taufe in den anderen Kirchen anerkannt hat. Denn die Kirche Jesu Christi ist die Gemeinschaft derer, die mit ihm als ihrem Herrn und Haupt verbunden sind. Durch die Taufe werden die Menschen in diese Lebens- und Schicksalsgemeinschaft Jesu Christi aufgenommen, durch die Taufe werden sie daher Glieder der Kirche Jesu Christi. Man könnte über die römischen Spitzfindigkeiten zur Tagesordnung übergehen, aber dieser Exklusivanspruch liegt ganz auf der Linie des gegenwärtigen Papstes, der offensichtlich an der Einheit der Christen wenig Interesse hat und der mit einer Erneuerung der Kirche im Geiste des Konzils wenig zu tun haben will, obwohl er selbst in seinen jungen Tagen als Berater in diesem teilgenommen hatte, sein Blick geht heute weit zurück hinter das Konzil und er tut alles, um diesen Aufbruch in der Kirche vergessen zu lassen. Man könnte nun sagen, Päpste kommen und gehen und dem gegenwärtigen Papst wird man angesichts seines Alters kaum ein allzu langes Pontifikat prophezeien wollen, aber durch derartige Aussagen wird das Klima zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen nachhaltig gestört, um nicht zu sagen vergiftet und es ist zu befürchten, dass es nicht nur auf die Verantwortlichen in den Ortskirchen abfärbt, sondern auch die Beziehungen auf der Gemeindeebene empfindlich beeinträchtigt kann. Angesichts der Probleme, mit denen alle christlichen Kirchen in Europa zu kämpfen haben, angesichts der wachsenden Entfremdung der Bevölkerung gegenüber der christlichen Botschaft, ist es geradezu lächerlich, wenn Christen der rechte Glauben abgesprochen wird, nur weil sie nicht in allem und jedem mit Rom einer Meinung sind. Ein altes Sprichwort sagt: „Im Notwendigen die Einheit, im Übrigen die Freiheit, in Allem die Liebe!“ Alle christlichen Kirchen sind „im Notwendigen“ eins, nämlich im Bekenntnis zu Jesus Christus und zum dreieinigen Gott, sie haben gemeinsam die Heilige Schrift, sie haben gemeinsam das Glaubensbekenntnis und die grundlegenden Sakramente. Was sie unterscheidet, zeigt die Vielfalt auf, in der die christliche Botschaft gelebt und verwirklicht werden kann; eine Vielfalt, die nicht als Gefährdung der je eigenen Glaubensüberzeugung verstanden werden darf, sondern als deren Bereicherung!

Das größte Anliegen des unvergesslichen Papstes Johannes XXIII. war die Einheit der Christen, deshalb hat er auch das Konzil einberufen, deshalb sollte auch eine Reform der katholischen Kirche erfolgen; seine Nachfolger haben im Interesse des eigenen Machterhaltes dies vergessen und verdrängt. Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Vater ich will, dass alle eins seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast!“ Es ist daher unser aller Aufgabe, dieses Vermächtnis Jesu Christi nach besten Kräften zu verwirklichen. Trotz aller Unterschiede zwischen den Konfessionen sollten wir wissen, dass wir alle aufgrund der Taufe die eine Kirche Jesu Christi sind. Diese Überzeugung dürfen wir uns nicht durch rechthaberische römische Erklärungen nehmen lassen.

Ihr
Dr. Franz Nikolasch

CARITAS-SAMMLUNG
Die August-Sammlung zugunsten der Caritas erbrachte insgesamt einen Betrag von € 692,60. Namens der Caritas möchte ich allen danken, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Wenn angesichts der zahlreichen Spendenaufrufe manche eine skeptische Haltung einnehmen, so ist doch die Caritas eine Institution, wo die Gelder nicht in zwielichtigen Kanälen verschwinden, sondern dort ankommen, wo sie benötigt werden. Notsituationen und Katastrophen bedrohen die Menschen in unserer Heimat wie in der ganzen Welt. Wir wünschen uns, wenn wir in Not sind, die Solidarität der anderen, deshalb sind auch wir zur Solidarität mit ihnen aufgerufen.

ERNTEDANKFEIER
Am kommenden Sonntag, dem 23. September feiern wir in St. Leonhard Erntedank. Um 8.15 Uhr erfolgt die Segnung der Erntekrone, dann die Prozession zur Kirche und der Gemeindegottesdienst. Um 10.00 Uhr ist dann der Kindergottesdienst zum Erntedank. Die Kirchensammlung soll diesmal über die Caritas an die Hungernden und Flüchtlinge von Dafour (Sudan) gehen, wo derzeit die Bevölkerung unter einem der blutigsten Kriege zu leiden hat. Bis heute ist es der internationalen Gemeinschaft nicht gelungen, diesem Blutvergießen und dieser Vertreibung der Zivilbevölkerung Einhalt zu gebieten, geschweige denn den Menschen einigermaßen erträgliche Lebensbedingungen zu ermöglichen.

ISRAEL-REISE
Für die Israel-Reise, die für die Zeit vom 16. bis 23. Februar 2008 geplant ist, liegen Informations-Prospekte im Vorraum der Kirche auf. Am Donnerstag, dem 18. Oktober findet um 19.00 Uhr eine Informationsveranstaltung des Reisebüros Gruber aus Linz, das diese Reise durchführt, im Hotel Untersberg statt. Wer immer Interesse hat, an dieser Reise teilzunehmen, ist herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen.

GLAUBENSGESPRÄCH
Am Freitag, 28. September um 19.30 Uhr wird wieder das traditionelle Glaubensgespräch aufgenommen. Das Thema dieses Abends lautet: „Die Kirche Jesu Christi und die christlichen Kirchen“. Es geht dabei um die Beziehungen zwischen der katholische Kirche, den Kirchen des Ostens und den Kirchen der Reformation.