St. Leonhard, den 26. November  2006

Hl. Leonhard Roms Kondom - Handbuch

In den SN vom 23.11.konnte man unter diesem Titel lesen: "Der Vatikan arbeitet an einer detaillierten Anweisung für die Katholiken, wie sie es mit dem Gebrauch von Kondomen halten sollten". Wenn man auf den ersten Blick meinen könnte, es handle sich bei diesem Bericht um einen Beitrag zu einer Faschingzeitung, so ist dem nicht so. Allerdings den meisten Katholiken, vor allem den jüngeren, bedeuten römische Aussagen zu diesem Thema kaum noch etwas,  jenen  für die Aussagen der Amtskirche noch etwas bedeuten, sei gesagt, dass diese römischen Ansichten keineswegs der verbindlichen Lehre der Kirche, wie sie im 2. Vatikanischen Konzil formuliert wurde, entsprechen, ihr vielmehr widersprechen.

Bis zum Konzil besagte die von den Päpsten Pius XI. und Pius XII. formulierte Lehre, dass vorrangiges Ziel des ehelichen Geschlechtsaktes die Weitergabe des Leben sei; untergeordnete Zielsetzungen sehen die Triebbefriedigung und die gegenseitige liebende Hingabe. Daraus wurde gefolgert, dass jeder eheliche Akt für die Weitergabe des Lebens offen sein müsse und diese Zielsetzung nicht aktiv unterbunden werden dürfe.

Das Konzil hat diese Lehre zurückgewiesen und klar betont, dass es keine Über- und Unterordnung der verschiedenen Zielsetzungen gibt, sondern dass diese gleichwertig sind. In der Pastoralkonstitution Art. 49 wird die besondere Bedeutung der gegenseitigen Liebe betont, die "durch den eigentlichen ehelichen Vollzug in besonderer Weise ausgedrückt und verwirklicht" wird, denn "durch diese Hingabe bejahen sich die Eheleute gegenseitig und werden bereichert". Im Art. 50 heißt es dann, dass "ohne die übrigen Ziele der Ehe hinanzusetzen", die Ehe auf die Weitergabe des Lebens ausgerichtet ist. Abschließend wird in diesem Artikel nochmals betont, dass "die Ehe nicht nur zur Zeugung von Kindern eingesetzt ist, sondern "auch die gegenseitige Liebe der Ehegatten in rechter Weise sich in ihr kundtue". In den vorausgegangenen Diskussionen war ausdrücklich die frühere Lehre einer Über- und Unterordnung der Zielsetzungen zurückgewiesen worden. 

In diesem Sinne sprachen sich auch die von Papst Paul VI. eingesetzten Spezialkommissionen mit überwältigender Mehrheit für eine Freigabe der Methodenwahl zur Empfängnisverhütung aus, wenn nur grundsätzlich die Ehe für die Weitergabe des Lebens offen ist. Der Papst folgte jedoch nicht den Empfehlungen dieser Kommissionen, sondern entschied sich für die vorkonzilare Lehre seiner Vorgänger Pius XI. und Pius XII., dass die vorrangige Zielsetzung des ehelichen Aktes die Weitergabe des Lebens sei, die unter keinen Umständen aktiv behindert werden dürfe. Das Konzil hingegen hatte die Gleichrangigkeit der Zielsetzungen von Weitergabe des Lebens und Ausdruck der liebenden Hingabe der beiden Partner aneinander betont, d.h. dass nicht mit jedem ehelichen Akt die Weitergabe des Lebens beabsichtigt sein müsse, diese sogar ausgeschlossen werden dürfe, wenn die Ehe grundsätzlich die Weitergabe des Lebens zum Ziel hat.
Nach allgemeiner Lehre haben Aussagen und Festlegungen von Konzilien den höchsten Anspruch auf Verbindlichkeit, denen auch die Aussagen von Päpsten und erst recht von anderen römischen Autoritäten sich unterzuordnen haben. 

Dr. Franz Nikolasch